Girls and Software

Auf diesen Titel bin ich nicht selber gekommen, sondern das ist die Überschrift eines (englischsprachigen) Artikels im Linuxjournal, um den es in diesem Post geht. Im Artikel beschreibt eine Hackerin, wie sie Hackerin geworden ist, welche Erfahrungen sie gemacht hat, und wie sich die Situation für Frauen und Männer mit der Zeit verändert hat. Mich interessiert das Thema, weil ich mein erstes Praktikum an einer Frauenschule machen werde, selber an diesem Gymi in einer reinen Frauenklasse ausgebildet wurde, und im Allgemeinen das Thema Naturwissenschaften/Technik und Mädchen sehr kontrovers ist.

Es ist tatsächlich so, dass nach wie vor viele Berufe vor allem entweder von Frauen oder von Männern gewählt werden. Die Informatik ist ein prominentes Beispiel: gemäss dieser Statistik haben 2012 140 Frauen an der ETH Infromatik studiert, von 1108 Informatik-Studierenden insgesamt.

In dem eingangs erwähnten Artikel beschreibt Susan Sons eine Situation mit ihrem Sohn, der in seiner Schule von einem Roboter-Kurs ausgeschlossen wurde, weil dieser nur für Mädchen gedacht war. Sons ärgert sich über diese Diskriminierung und sagt (übersetzt): „Als mein Sohn fragte, wieso er nicht teilnehmen dürfe, wurde ihm gesagt, dass Mädchen spezielle Hilfe brauchen, um ihr Interesse in Technologie zu wecken, und dass, wenn Jungs dabei sind, sich die Mädchen nicht trauen.“ Die Aussagen sind kontrovers, das merkt man auch an den zahlreichen hitzigen Kommentaren am Ende des Artikels. Die Frage bleibt bestehen, ob und wenn ja welche Art von Förderung sinnvoll ist.

Das Thema Monoedukation (also geschlechtergetrennter Unterricht) erhitzt nicht nur in obigem Fall die Gemüter. Als Veranschaulichung für die gegenwärtige Debatte empfehle ich als Lektüre die folgenden (deutschsprachigen) Artikel: Einer spricht sich für, und der andere gegen eine Trennung aus. Als Schülerin habe ich die Frauenschule als sehr positiv erlebt, ich bin schon sehr gespannt, wie das aus Lehrerinnensicht ist. Vor allem aber freue ich mich auch auf eure Inputs!

Förderung und Fairness

„In einem fairen Bildungssystem erbringen nicht alle Schüler gleich gute Leistungen und erwerben langfristig gleich hohe Kompetenzen, sondern jedes Kind kann sein individuelles Entwicklungspotenzial möglichst gut ausschöpfen.“

Remo Largo

Dieser Meinung möchte ich mich gleich zu Beginn anschliessen, obwohl dieses Thema für viele Leute sehr kontrovers ist. Oft überwiegt die Meinung, dass Kinder und Jugendliche mit Schwierigkeiten zwar besonders gefördert werden müssen (siehe letzten Beitrag über Inklusion und Heterogenität), dass es aber andererseits unfair ist, wenn diejenigen, die sowieso besonders ausgeprägte Fähigkeiten haben, noch weiter gefördert werden.

Hier ist meine Antwort, dass wir alle Bereiche mit höherer und tieferer „Begabung“ haben, und dass wir aber in allen Bereichen gefördert werden: Bei tiefer Begabung, um das Mögliche herauszuholen, und bei hoher Begabung, um das Potenzial voll auszuschöpfen. Nur so können unsere Fähigkeiten für die betroffene Person und die Gesellschaft gewinnbringend eingesetzt werden.

Welche Rolle spielt die Schule im Umgang mit Begabung? Mir fällt dabei ein Vortrag ein, den Prof. Michael Hengartner, der Rektor der Universität Zürich, zu diesem Thema gehalten hat. Er hat ein Bild gezeigt mit einem Schema, das in etwa folgende Kurven zeigte:

foerderungAuf der linken Seite ist zu sehen, was in einer „gleichmachenden“ Schule geschieht. Ausgeprägte Fähigkeiten werden in der Tendenz unterdrückt, weil niemand damit umzugehen weiss (oder sie verkümmern ohne Förderung), während „Mängel“ mit spezifischer Förderung kompensiert werden sollen. Heterogenität wird verringert, aber die Menge der Fähigkeiten wird nicht oder nur wenig erhöht.

Auf der rechten Seite ist das Schema, wie eine wirklich faire Schule aussieht: Alle Schülerinnen und Schüler werden in ihren bestehenden Fähigkeiten gefördert. So wird die Verteilung der Fähigkeiten nicht verringert, sondern hin zu grösseren Fähigkeiten bei allen verschoben.

Es braucht Mut, sich als Gesellschaft und als Lehrperson dieser Heterogenität zu stellen. Der Unterricht ist anspruchsvoll und fordert viel Einfühlungsvermögen von Seiten der Lehrperson. Die Berührungsängste bei Begabtenförderung sind sehr gross, wie zum Beispiel das öffentlichen Interesse und die heissen Disskussionen um Maximilian zeigen. Der hochbegabte 9-Jährige, ein „Mathegenie“, wollte nach Abschluss der Mathe-Maturaprüfung an die ETH oder die Uni Zürich. Er wurde allerdings nicht aufgenommen, weil er nicht über die Gesamtmatura, also die Hochschulreife verfügt. Persönlich finde ich diese Entscheidungen absolut richtig, finde aber auch die Lösung sehr angemessen: Maximilian ist ab jetzt Mitglied im Mathe-Club für kluge Köpfe im Rahmen der Junior Euler Society. Er wird also in Mathematik gefördert, sein „Hobby“ wird ernst genommen, erhält aber auch in allen anderen Fächern auf Gymnasialstufe angemessenen Unterricht.

Wir müssen nicht darüber streiten, ob es fair ist, dass uns allen unterschiedliche „Begabungen gegeben“ wurden. Aber ich meine, es ist fair, wenn die gegebenen Begabungen unvoreingenommen gefördert werden, egal auf welcher Seite des Spektrums sie sich befinden.

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Heterogenität, Inklusion, Integration

Heterogenität ist ein Thema, das wir an der Pädagogischen Hochschule immer wieder diskutieren. Die Gruppen von Schülerinnen und Schülern, die wir unterrichten, sind zusammengesetzt aus Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten, vielfältigen Hintergründen und sehr unterschiedlicher Motivation. Wir unterrichten junge Frauen und Männer gemischt, wir treffen auf Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, aus reichen und aus armen Familien, aus einem unterstützenden und hemmenden Umfeld. Die Institution Schule sortiert in der Hoffnung, einheitliche Gruppen zu erhalten, denn klassischer Unterricht funktioniert nur, wenn alle schüler gleich motiviert sind (das ist eine Prämisse).

Aus allgemeinem Interesse schaue ich ab und zu Quarks & Co, eine Wissenschaftssendung des WDR. Letzte Woche war das Thema “Inklusion”, also das Einschliessen von Menschen mit Behinderung in den Rest der Gesellschaft, zum Beispiel das Unterrichten von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in der allgemeinen Schule. Durch solche Massnahmen wird die Heterogenität im Klassenzimmer erhöht und die Anforderungen an die Lehrperson steigen. Die Sendung geht das Thema gründlich an, erklärt, was mit Inklusion gemeint ist, zeigt ein Streitgespräch, in dem Experten Vor- und Nachteile besprechen, und begleitet drei betroffene Kinder (ein sozial auffälliger Junge, eine Autistin sowie ein Mädchen mit einer Knochenkrankheit). Die ganze Sendung kann jederzeit online angeschaut werden.

In der Sendung werden auch verschiedene Modelle der Inklusion erklärt. Da ich aus rechtlichen Gründen dieses Video nicht einfach hier zeigen darf, hab ich anhand ebendieser Vorlage selber ein Video gemacht, in dem ich die vier Modelle (und Grade) der Inklusion zeige.

Ausserdem ist mir in dieser Sendung bewusst geworden, dass Integration und Inklusion nicht dieselbe Bedeutung haben. Anscheinend ist Integration zwar die die Aufnahme von Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in die allgemeinen Schulen, und diese werden da zwar toleriert, aber nicht richtig mit einbezogen.

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Digitale Lernrevolution?

Nach Weihnachten findet in Berlin alljährlich ein Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) statt, an der sich Hacker über die neuesten Trends in der Informatik austauschen. Das ist zwar etwas plakativ beschrieben, klingt aber für angehende Lehrpersonen auch so wohl eher wenig spannend. Ein Vortrag hat mich aber trotzdem so überzeugt, dass ich euch mehr darüber erzählen möchte. Jöran Muuß-Meerholz spricht, darüber, warum die digitale Revolution des Lernens gescheitert ist.

Inhaltlich möchte ich nicht viel über den Vortrag erzählen, es lohnt sich, wenn ihr euch die Zeit nehmt und diesen kritischen Talk selber anschaut. Ich möchte nur die wichtigsten Schlussfolgerungen zusammenfassen.

Es gibt inzwischen viele digitale Lernangebote, allerdings sind die meisten wenig individualisierbar. Was Jöran Muuß-Meerholz aber am stärksten bedauert, ist, dass die digitalen Hilfsmittel oft so eingesetzt werden, dass sie die „alte Art des Lernens“ zementieren. Es gibt zwar heute in vielen Klassenzimmern digitale Whiteboards, allerdings wird damit genau so lehrerzentriert unterrichtet wie mit einer altmodischen Wandtafel. Es gibt auch digitale Schulbücher, aber die sind oft nur vorübergehend im Besitz der Lernenden, in proprietären Formaten geschrieben, und haben nicht mehr Funktionalitäten als herkömmliche Schulbücher.
Das stimmt mit meiner Erfahrung überein: Powerpointpräsentationen im Unterricht sind die krasseste Art von Frontalunterricht, die ich mir vorstellen kann.

Ein weiteres grosses Aber, das Jöran Muuß-Meerholz hervorhebt, die „Eigentlichkeit“ der Technologie: Eigentlich hätten wir Zugang zum Internet, aber… Eigentlich sollte es funktionieren, aber… Und so weiter. Die wichtigste Botschaft des Talks, die ich mitnehme, ist, dass mit der Entwicklung des Internets sehr viel versprochen wurde, und man hat sich grosse Hoffnungen gemacht, was die digitalen Medien für das Lernen bringen werden – aber es hat sich kaum etwas geändert am Unterrichten oder an der Art des Lernens. Ich finde das schade, denn das Lernen braucht eine Revolution (ich verweise auf den Ken Robinson Talk, den ich in einem meiner letzten Blogeinträge beschrieben habe). Ich glaube aber, dass wir das in der Hand haben und hier selber Veränderungen herbeiführen können. Der erste Schritt ist, dass wir uns bewusst machen, dass es nicht nur darum geht, eine Arbeit auf einem Computer statt auf Papier zu schreiben.

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Überall Sprache

Sprachkompetenzen in den Naturwissenschaften
Vor Weihnachten fand in Romanshorn der BUA “Naturwissenschaften” statt, bei dem sich die Studierenden der Fachdidaktiken Mathematik, Biologie, Chemie und Physik trafen und über die Grundsätze des naturwissenschaftlich-mathematischen Unterrichts diskutierten, selber ermöglichungsdidaktische Lerneinheiten in SchülerInnenrolle erlebten und über die eigene Lehrtätigkeit nachdachten. Einen ganzen Vormittag setzten wir uns dabei mit dem Thema Sprache im naturwissenschaftlichen Unterricht auseinander, auf das ich hier noch ein bisschen ausführlicher eingehen möchte. Das Thema ist für uns alle wichtig, wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass wir sprachliche Fähigkeiten nicht einfach voraussetzen dürfen, sondern mit unseren Schülerinnen und Schülern (SuS) immer wieder daran arbeiten müssen.

Sprachkompetenzen werden in allen Fächern gefordert, als Lehrpersonen können wir diese aber auch in allen Fächern fördern. Überrascht hat mich die einhellige Meinung, dass wir diese Kompetenzen auch in Fächern wie Biologie einfordern dürfen, indem wir bei Prüfungen auch auf eine angemessene Formulierung und sprachliche Korrektheit achten. Wir sollen diese Kompetenzen aber auch gezielt fördern und mit den Schülern Üben. Textverständnis, Lesetechniken oder Textanalyse (beispielsweise das Übersetzen von einem Text in eine Graphik und umgekehrt) sind Fähigkeiten, die wir auch als kompetenzorientierte Lernziele formulieren und berücksichtigen sollen.

Inhaltlich möchte ich nicht weiter auf den Kurs eingehen (ich erzähle euch in einem persönlichen Gespräch gerne mehr). Ich möchte aber zwei andere Aspekte des Sprachunterrichts noch aufnehmen, nämlich die Prominenz des Sprachunterrichts am Gymnasium, und das Thema Fremdsprachen naturwissenschaftlichen Unterricht.

Sprachdominanz
Bei meinen Maturaprüfungen wurde ich in fünf Fächern schriftlich und mündlich geprüft: Deutsch, Französisch, Englisch, Mathe und Schwerpunktfach. Obwohl ich mit PAM (Physik und Anwendungen der Mathematik) im Schwerpunktfach und mit Biologie/Chemie im Ergänzungsfach meine Ausbildung so mathematisch-naturwissenschaftlich wie möglich gestaltet hatte, waren trotzdem mehr als die Hälfte der Prüfungen in Sprachfächern. Dieses Ungleichgewicht hat mich damals gestört, und ich kritisiere das immer noch. Wieso kann ich hier nicht mehr Einfluss nehmen? Wenn jemandem Sprachen, insbesondere Fremdsprachen, nicht liegen, werden diese zu einem riesengrossen Hindernis auf dem Weg zur Matura.
Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass ich gegen Sprachunterricht bin, die dabei erworbenen Fähigkeiten sind für die persönliche Lebensgestaltung im Allgemeinen und beispielsweise auch für das tiefe Verständnis und den Transfer von Naturwissenschaften in den Alltag zentral. Ich finde aber nicht, dass alle SuS gezwungen werden sollten, zwei oder mehr Fremdsprachen auf einem sehr hohen Niveau zu sprechen. Meines Erachtens wäre es mindestens ebenso sinnvoll, wenn der Transfer von Sprache in die andere Fächer mehr Raum erhält. Dies auch vor dem Hintergrund, dass es immer anwendbarere technologische Hilfsmittel gibt, die mir die Kommunikation in einer fremden Sprache vereinfachen. Ich kann jetzt schon mein Smartphone über einen Text halten und mir auf dem Display die Übersetzung in fast jede andere Sprache anzeigen lassen. Noch etwas utopisch, aber vielleicht lernen unsere Computer auch bald, Lippen zu lesen, und flüstern uns dann die Übersetzung des Gesagten gleich ins Ohr?

Fremdsprachen in den Naturwissenschaften
Nachdem ich mich für eine Sprachreduktion ausgesprochen habe, möchte ich mich jetzt auch für mehr Sprache einsetzen. Ich wurde im Gymi bilingual unterrichtet, wir hatten Mathe und Geschichte auf Englisch. Während bei Mathe die Sprache einfach “so nebenbei” geschehen sollte, stand bei Geschichte auch eine Erweiterung des Wortschatzes und anderer Sprachkompetenzen im Zentrum. Diese Kombination fand und finde ich hervorragend; wir haben so ein sehr hohes Sprachniveau erreicht, was für ein naturwissenschaftliches Studium von unschätzbarem Wert ist.
Hat jemand von euch Erfahrungen gemacht mit Unterrichten in einer Fremdsprache? Ich bin gespannt auf euer Feedback.

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Ted Talks übers Lernen

Ab und zu schaue ich sehr gerne Ted Talks, das sind Videos von kurzen Vorträgen aus den Bereichen Technology, Entertainment und Design. Tatsächlich gibt es aber zu den verschiedensten Themen solche Talks, unter anderem auch in der Psychologie oder den Erziehungswissenschaften. Ich habe eine Liste mit Talks, die mir besonders Eindruck gemacht haben. Hier möchte ich alle lern- und lehrrelevanten Videos aus dieser Liste vorstellen und euch zum Verweilen verleiten.

Das grossartigste Video ist vom Schriftsteller Sir Ken Robinson. Er hat verschiedene Talks gehalten, doch „Schools Kill Creativity“ finde ich den besten. Auf äusserst humorvolle Weise nähert er sich unserem Schulsystem und zeigt überraschende Zusammenhänge auf (wer hat Shakespeare in Englisch unterrichtet?). Primär geht es um den Umgang mit Vielfalt und Kreativität, das ist ja auch ein Lieblingsthema einiger Dozierender an der PH.

Auch in diesem Video von Ken Robinson geht es um Vielfahlt und Lernen und darum, wie sich Vorstellungen ändern (wunderschönes Beispiel: Wieso sollte man eine Armbanduhr tragen, die nur ein, zwei Funktionen hat, wenn ein Smartphone so viele Eigenschaften in einem Gerät vereint?)

Übrigens habe ich vor kurzem in Bulletin der Credit Suisse einen Artikel über Ken Robinson gelesen. Fast noch spannender als dieser Artikel war ein Beitrag über eines der ersten Cybermobbing-Opfer, Ghyslain Raza, der als „Star Wars Kid“ verulkt wurde (siehe diesen früheren Blogeintrag, in dem es u.a. um Cybermobbing geht). In seinem Fall hat die Schule leider nicht die Hilfe bieten können, die in der Situation nötig gewesen wäre. Heute studiert er Jura und schaut gelassener auf die Ereignisse zurück.

Ein Video von der Spieledesignerin Jane McGonigal hat Videospiele zum Inhalt, und wieso es nicht nur schlecht ist, dass Jugendliche viel Zeit mit Gamen verbringen. Ich finde es entspannend zu sehen, dass sich jemand auch auf dieser Ebene für Jugendliche einsetzt. Eine Generation von Jugendlichen, die 10’000 Stunden Videogames spielen und das Spiel dabei perfektionieren, sind eine wertvolle Ressource an Selbstmotivation, Net- und Teamworking, und persönlichem Einsatz für ein grösseres Ziel. Diese Ressource sollte gemäss McGonigal eingesetzt werden, um die Welt zu verbessern!

Als zukünftige Bio- und Chemielehrerin ist mir naturwissenschaftlicher Unterricht natürlich ein besonderes Anliegen, deshalb habe ich den Talk von Tyler DeWitt in diese Liste aufgenommen.

Ein weiteres, wirklich spannendes und überraschendes Video, in dem James Flynn darüber spricht, welchen Einfluss Schulbildung auf unseren IQ hat: Schulbildung fördert abstraktes Denken, und beeinflusst so, wie wir Zusammenhänge sehen und als Gesellschaft funktionieren.

Erst vor kurzem bin ich auf Ted Ed gestossen, wo zu bestimmten Themen Videos zur Verfügung gestellt werden, die  mit Fragen, Hintergrundinformationen und Diskussionspunkten als sehr konkrete Lernmaterialien genutzt werden können.

Abschliessen möchte ich mit einem Video über die Entwicklung des Gehirns bei Jugendlichen. Hier erklärt eine Neurowissenschaftlerin viele Verhaltensweisen von Jugendlichen – ein Plädoyer für Verständnis und Gelassenheit gegenüber Teenagern.

Ich bin gespannt, welche Talks ihr mir empfehlen könnt.

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147 und die Probleme von Jugendlichen

Vor kurzem war im Migros-Magazin ein Artikel über das Beratungstelefon 147 von Pro Juventute, da war mir gleich klar, dass das ein Blogeintrag wird. Es geht dabei nur im weitesten Sinn ums Lernen, trotzdem möchte ich diesem Thema Platz in meinem Lernblog widmen, denn es sind die Probleme von Jugendlichen, die sie vom Lernen abhalten.

147 ist eine Art Sorgentelefon für Jugendliche in der Schweiz, bietet aber auch einen Sorgen-Chat und Sorgen-SMS-Dienst. Dass da immer ein offenes Ohr für die Jugendlichen ist (Tag und Nacht), ist besonders wichtig, denn die Sorgen von Jugendlichen halten sich nicht an Öffnungszeiten.

Die grossen Probleme vieler Jugendlicher sind Sucht, Gewalt und sexueller Missbrauch, oft aber auch Schulden oder Liebeskummer. Ich möchte ein paar bestimmte Probleme herausheben, die sich in einem Blog aufgrund des virtuellen Mediums besonders anbieten:

  • Cybermobbing: Mobbing im Internet, also z.B. via Facebook, WhatsApp oder in  Chats.
  • Sexting: Versenden und Publizieren von intimen Fotos. Innerhalb einer Liebesbeziehung mag der Austausch von Nacktfotos lustvoll sein, aber wenn die Liebe vorbei ist, sind die Daten in den Händen einer nicht mehr wohlgesinnten Person.
  • Cyber-Grooming: sexuelle Belästigung via Internet (z.B. anzügliche Bemerkungen oder explizite Aufforderungen in Chat-Foren).

Die Dienstleitungen von Pro Juventute gehen über die Beratung hinaus, auf der Webseite sind auch Infotexte zu den Themen Familie, Freundschaft, Liebe, Sexualität, Körper und Aussehen, Konflikte und Gewalt, Sucht und Drogen, Lernen und Arbeiten, Freizeit und Gesellschaft sowie Krisen und Hilfe.

Aktuell gibt es auf der Webseite einen Schwerpunkt zu Selbstdarstellung und Sexting, hier das Video zum Spendenaufruf:

Es ist zentral zu wissen, wo Jugendliche Hilfe bekommen können, aber auch, dass sie informiert sind und von Vornherein wissen, welche Gefahren im Internet lauern. Hier kommt der Schule eine besonders wichtige Rolle zu, und ich finde es gut, dass wir uns als angehende Lehrpersonen gezielt mit diesem Medium beschäftigen müssen (bestes Beispiel: dieser Blog).

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Lernerfolg bestimmen

Seit ich mich entschieden habe, Lehrerin zu werden, bekomme ich von Familie, Freunden und Bekannten immer wieder Hinweise auf interessante Zusammenhänge oder Material. Zu meinem Geburtstag habe ich ein kleines Büchlein geschenkt bekommen, geschrieben von Remo Largo, einem schweizer Kinderarzt, Entwicklungsforscher und Buchautor. „Wer bestimmt den Lernerfolg: Kind, Schule und Gesellschaft?“

Largo

Gestern Abend habe ich mir das Buch zu Gemüte geführt. Anders als viele Literatur an der PH lesen sich Texte von Largo ohne Anstrengung. In der ersten Hälfte des Buches gibt Largo Antwort auf die im Titel gestellte Frage, der zweite Teil des Buches ist ein Interview mit dem Herausgeber Reinhard Kahl.

Im Unterschied zu einem Krimi, wo es den ganzen Lesespass verdirbt, wenn der Mörder verraten wird, möchte ich hier mit gutem Gewissen die Antwort verraten, wer gemäss Largo den Lernerfolg bestimmt: Es ist das Kind!
Er bezieht sich bei dieser Aussage auf die Hattie-Studie (genau, diese ominöse Studie, die an der PH in allen Fächern ab und zu auftaucht), die zeigt, dass Familie, Peers, Schule und Schulleitung (also die Gesellschaft) 20% zum Lernerfolg beitragen, Lehrer 30% und die Schüler selber mit 50% den grössten Anteil ausmachen.

Ein besonderer Zusammenhang, der mir bei der Lektüre zum ersten Mal bewusst wurde: In meiner Generation sind die meisten Kinder Wunschkinder, oft dazu noch Einzelkinder, und entsprechend gut machen wollen es die Eltern. Das Wort machen fällt dabei beosonders auf, denn gemäss Largo werden Kinder nicht zu Personen gemacht, sondern sie können sich entwickeln nach intrinsischen Fähigkeiten und Eigenschaften. Diese sind von Anfang an angelegt, und von Kind zu Kind verschieden. Diese Verschiedenheit ist für eine Gesellschaft wünschenswert, denn sie bietet ein breites Spektrum an Fähigkeiten, und wenn diese ausgelebt werden dürfen, ist das für Kind/Jugendliche/Erwachsene, die sich ausleben dürfen, für das Umfeld und für die Gesellschaft eine Bereicherung.

Largo schreibt, dass die Politik versucht, „die Schule mit Druck und Gleichmacherei nach ihren Vorstellungen zu gestalten, und missachtet dabei die Individualität und Vielgestaltigkeit der menschlichen Natur.“

Auch wenn Largo viel über das Kind spricht, geht er auch auf die Rolle der Lehrperson ein, was mich natürlich besonders interessiert. So schreibt er, dass Lehrer sich weiterbilden müssen, „wenn sie nicht mehr ein Hemmschuh für die Entwicklung der Kinder sein wollen.“ Und: „Die Aufgabe des Lehrers ist es nach Hattie (2009), nicht nur die Klasse, sondern jeden einzelnen Schüler im Blick zu haben. Ein guter Unterricht besteht für Hattie darin, dass möglichst jeder Schüler versteht, was der Lehrer will und was der Inhalt der Schulstunde ist. Nur so bleiben alle Schüler motiviert. […] Respekt, Wertschätzung, Hilfsbereitschaft und Vertrauen sind Grundvoraussetzungen für einen guten Unterricht.“ Largo schreibt auch viel über die Heterogenität in einer Klasse, und zwar in Bezug auf die Herkunft und die Fähigkeiten. „Ein wesentlicher Faktor dabei ist, dass nicht nur die Variabilität zwischen den Schülern, sondern auch beim einzelnen Schüler selbst gross ist.“

„Die Vielfalt unter den Schülern ist und bleibt die eigentliche Herausforderung für die Lehrpersonen. Die Eigenschaften, die – unabhängig vom Schulsystem – den guten Lehrer ausmachen, bestehen in einem hohen Masse darin, in wie weit er auf den individuellen Entwicklungsstand des Schülers eingehen, den Schüler motivieren und beim Lernen unterstützen kann.“

Lehrpersonen müssen also viel über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wissen und ihre Lehrtätigkeit kontinuierlich überprüfen, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern.

Ich möchte mit einem weiteren Zitat aus Largos Buch abschliessen:

„Jedes Kind ist ein Unikat. Die Kinder kommen schon einmalig auf die Welt und werden im Laufe ihres Lebens immer verschiedener.“

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Aiducation International

In diesem Blogbeitrag möchte ich ein Thema anschneiden, das zwar auch mit Lernen zu tun hat, aber in einem anderen Land und unter anderen Bedingungen. Ich möchte die Organisation Aiducation International vorstellen.

Der Name Aiducation setzt sich zusammen aus Aid (Hilfe) und Education (Bildung). Es ist ein Projekt, das Stipendien an Mittelschülerinnen und Mittelschüler in Kenia vergibt. In Kenia besteht die besondere Situation, dass die Primarschule für alle Kinder frei zugänglich ist, und es auf Universitätsstufe ein etabliertes Stipendiensystem gibt. Für die Mittelschule gibt es aber keine Unterstützung, so dass viele talentierte Kinder aus dem Schulsystem unfreiwillig ausfallen, weil ihre Familien das Gymnasium nicht finanzieren können. Die Gründer von Aiducation haben erkannt, dass diese Verschwendung von menschlichem Potenzial unverzeihlich ist (insbesondere in einem Land mit so vielen strukturellen Problemen), und haben mit Aiducation ein System geschaffen, das diesem Potenzial zur Verwirklichung verhelfen soll.

Aiducation verleiht Stipendien nach auf einem 1:1-System, bei dem ein AiduMaker (ein Spender oder eine Spenderin aus der Schweiz, Deutschland etc.) einem AiduFellow (eine Schülerin oder ein Schüler in Kenia) während vier Jahren die Schulkosten bezahlt. Die Organisation basiert auf Freiwilligenarbeit, die Aiducators leisten. In Kenia selber arbeiten nur Kenianer, die die Bedingungen vor Ort gut kennen.

Zusätzlich zu den Schulkosten organisiert die Organisation sogenannte Mentorship Academies, das sind einwöchige Lager, bei denen sich die AiduFellows aus dem ganzen Land treffen und austauschen können. Diese Gelegenheit ist für viele einmalig, denn in Kenia ist Reisen eher unüblich, und viele Leute sind in einem Stamm- und Klandenken verhaftet. Bei einer Mentorship Academy lernen die AiduFellows nicht nur viele andere Gleichgesinnte kennen, sondern sie erhalten auch nützliche Inputs und wichtige Informationen zum Thema Karriere (Wie schreibe ich einen Lebenslauf? Wie läuft ein Bewerbungsgespräch ab?) und besuchen Vorträge von Leuten, die in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Kenia eine wichtige Rolle spielen. So bekommen sie eine ökonomische Denkweise vermittelt, diskutieren über Probleme in und Lösungen für ihr Land. Das wichtigste ist dabei ein Gefühl der Verantwortlichkeit, die die Befähigung mit sich bringt: Die AiduFellows können sich dank Aiducation selber verwirklichen, und können später mit eigenen Initiativen und Leistungen diese Wirkung vergrössern und selber aktiv werden. So wird die Wirkung von einem Stipendium vervielfältigt. Aus diesem Grund setzt die Organisation auch auf Leistungsstipendien, das heisst dass sich nur die 10% besten Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs um eine Stipendium bewerben können.

Die Organisation besteht seit 2008 und hat bisher über 500 Stipendien vergeben können. Ich kenne die Gründer und viele Aiducators persönlich, und weiss, wie die Organisation funktioniert. Aiducation garantiert, dass mindestens 90% einer Spende direkt in die Bildung des AiduFellows fliessen. Ich bin selber stolzer AiduMaker von Sora, der in einem Video über sich und Aiducation erzählt.

Diesen Sommer war ich zum ersten Mal in Kenia, und war dabei auch Gast an einer Mentorship Academy. Zu dieser Reise habe ich einen Beitrag geschrieben auf dem Blog von Aiducation, wo ihr auch noch viel mehr über Sora und sein Land erfahren könnt. Aus Erfahrung kann ich sagen, es ist nie falsch, in Bildung zu investieren!

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Geteiltes Wissen

Wer hat schon von Open Educational Resources (OER) oder offenen Bildungsressourcen gehört? Ich habe kürzlich zum ersten Mal darüber gelesen, und zwar in einer für mich eher ungewöhnlichen Lektüre, dem Linux-Magazin

OER sind beispielsweise Arbeitsblätter oder Lehrbücher für den Schulunterricht, aber auch Lernkonzepte wie  Onlineseminare.

Die Idee war zwar mir neu, aber ist in Amerika schon weit verbreitet. Auch in Europa bildet sich eine immer grössere Community von OER-Anhängerinnen und Anhängern, die sich im September 2013 in Berlin auf einer Konferenz trafen, über die eben das Linux-Magazin berichtete. Organisiert wurde die Konferenz von Wikimedia Deutschland (das ist übrigens der Verein, der das grossartigste aller online Wissenstools betreibt, nämlich Wikipedia!), es waren aber auch die UNESCO und andere Partner beteiligt.

Aber wie unterscheidet sich OER von Lernmaterialien, wie sie von Verlagen oder oft auch im Internet bereitgestellt werden? Der grösste Unterschied besteht in der Lizenz, und zwar stehen OERs unter einer offenen, oder freien Lizenz, d.h. sie dürfen unter ganz wenigen Bedingungen frei verwendet werden. Ein Beispiel für eine solche Lizenz ist die Creative Commons by-sa, wie sie auch von Wikipedia verwendet wird. Diese Lizenz erlaubt die Verwendung des Materials, solange die Herkunft genannt wird (by whom) und die damit entstandenen Produkte ebenfalls unter derselben Lizenz (sa, nämlich same attributes: Man kann also nicht ein Bild mit dieser Lizenz in einem Buch drucken lassen, das dann unter einer anderen Lizenz steht). OERs kann man also kostenlos verwenden, und vervielfältigen, oft auch verändern, und das alles, ohne dabei ein Strafverfahren zu riskieren wegen Verletzung geistigen Eigentums.

Hier ist ein Video, das das Konzept von OER noch viel besser und ausführlicher erklärt:

Ein paar Beispiele für OERs und MOOCs (Massive Open Online Courses) sind:

  • Serlo.org : Eine Matheplattform aus Deutschland.
  • COER 13 : Ein webbasierter Kurs zu OERs. Von hier stammt das obige Video.
  • Ed X : Ein US-amerikanisches Projekt mit freien Online-Kursen von einigen der besten Unis weltweit
  • Coursera : Ein US-Unternehmen, die ebenfalls freie Online-Kurse anbieten.
  • Class2Go : Ein Projekt der Stanford University, das sich aber im Moment bei Ed X anschliesst um eine gemeinsame non-profit, open-source Plattform zu bieten.

Es ist sehr nützlich, diese Sammlungen zu kennen, und ich finde grundsätzlich die Idee von OER lobens- und vor allem auch unterstützenswert. Mal schauen, wie ich mich in meiner Lehrerinnen-Zukunft hier einbringen kann!

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